I always wanted to be a Tenenbaum

Vor kurzem habe ich „Die Royal Tenenbaums“ (2001) gesehen. Fünfmal, um genau zu sein. Ich hätte sie gerne noch fünfmal angesehen. Das Dumme war nur, dass ich mich gerade mitten in der Klausurenphase befand. Weil mich Wes Andersons skurriler Film nicht in Ruhe ließ, verbrachte ich die Lernpausen mit den Tenenbaums. Das hieß: Alles lesen und ansehen, was das Netz darüber hergibt. Und das war ganz schön viel. Nach drei Wochen Sammeln, Filtern und Reflektieren hier meine Erkenntnisse zu „Die Royal Tenenbaums“, mit Schwerpunkt auf meine Lieblingsfiguren Richie und Margot Tenenbaum.

Der Plot:

Papa Royal Tenenbaum wohnt getrennt von seiner Familie in einem Hotel, ist pleite und eifersüchtig auf den Neuen der Exfrau Etheline. Also inszeniert er eine Krebserkrankung, um seine Liebsten zurückzugewinnen. Die Kinder Richie, Chas und Margot sind gescheiterte Genies in ihren Dreißigern und verstecken sich gerade bei Mama vor der Welt. Eine typische „group of people getting together“-Geschichte, wie es der Criterioncast treffend zusammenfasst. Besonders tragisch: Richie hat sich in seine Adoptivschwester Margot verliebt.

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=K4QHTdj7SKc&index=61&list=PLj2KTNlHQwdvXxq34D2iuX–SXKl2HCnX)

Die Charaktere…

… sind gebrochen, skurril und voller Sehnsucht.

  • Richie (Luke Wilson), ehemals Tennis-Pro („The Baumer“), eng befreundet mit Margot und Eli Cash, süchtig nach Bloody Mary, Besitzer eines Greifvogels namens Mordecai.
  • Margot (Gwyneth Paltrow), trägt Racoon-Eyes und spießige Tenniskleider, ist verheiratet mit dem Anthropologen Raleigh St. Clair (Bill Murray), Schreibblockade, ihr Charakter basiert auf einer Freundin von Anderson (siehe Spiegel-Interview).
  • Chas (Ben Stiller), einst erfolgreicher Geschäftsmann und Züchter von Dalmatinermäusen, Witwer, Sicherheitsfanatiker, Vater von Asi und Uri.
  • Ethel (Anjelica Huston), Archäologin (wie Andersons Mutter), verlobt mit Steuerberater Henry (Danny Glover, basierend auf Kofi Annan und einem ehemaligen Vermieter von Anderson).
  • Royal (Gene Hackman), pleite, versucht die bevorstehende Hochzeit mit seinem Handlanger Pagoda (Kumar Pallana) zu verhindern.
  • Außerdem: Nachbar und Möchtegern-Tenenbaum Eli Cash (Owen Wilson) und Raleighs Studienobjekt Dudley Heinsbergen (Stephen Lea Sheppard)

Ort und Zeit:

Die Tenenbaums leben in der Archer Avenue in einem New York, das so nie existiert hat. Zwar wurde in einem realen Gebäude gedreht, das reale (und moderne) New York mit Skyline, Lärm und Verkehrschaos sparte Anderson jedoch aus. In einem Interview erklärt der Filmemacher, wie dieses New York entstanden ist. „Ich bin in Texas aufgewachsen, habe Magazine wie den „New Yorker“ und Geschichten von J. D. Salinger und F. Scott Fitzgerald gelesen und Woody-Allen-Filme geguckt. So habe ich New York aus der Ferne wahrgenommen. Als ich schließlich dort hinzog, versuchte ich mir New York so zu machen, wie ich es mir vorgestellt hatte.“

Eine weitere Besonderheit der „Royal Tenenbaums“ ist das Spiel mit der Zeit. Telefonzellen, Röhrenfernseher und Telefone mit Wählscheiben lassen den Film verstaubt und antiquiert wirken. Hinzu kommt der Soundtrack, der mit Songs von den Rolling Stones, Ramones oder Nick Drake in den 60ern und 70ern zu verankern ist. Auch Margot, Richie und Chas tragen Klamotten, die vor Jahrzehnten in Mode waren. Dabei unterscheiden sich ihre Outfits aus der Kindheit kaum von dem, was sie als Erwachsene anziehen. Ihre Kleidung fügt sich in das Bild der immergleichen technischen Geräte, die auch nach 20 Jahren noch im Hause Tenenbaum verwendet werden. Es wirkt, als wären die Familie und ihr New York in den 60ern stecken geblieben, und gleichzeitig auch in ihrer Kindheit (mehr zur Kindheit weiter unten). Die Bezeichnung „instant nostalgia“ (48:00), die im Criterioncast fällt, trifft es eigentlich ganz gut.

Der Faktor Zeit ist während des ganzen Filmes ziemlich obsolet. Achtet man auf Natur und Wetterphänomene, so wechseln die Jahreszeiten ständig von winterlichen Schneeflocken zu frisch ausgetriebenen Blättern. Songs wie „Christmas Time Is Here“ tragen noch mehr zur zeitlichen Verwirrung bei. Außerdem gibt der Film nur selten Aufschluss über Tageszeiten. Die Tenenbaums tragen so gut wie immer das Gleiche, alltägliche Handlungen wie Zähneputzen oder Schlafen kommen nicht vor. Die unklare Zeitstruktur gipfelt in der Szene mit dem Selbstmordversuch. Darin sagt Richie, er werde sich am folgenden Tag umbringen. Tatsächlich versucht er es aber schon im nächsten Augenblick. Nach mehrmaligem Ansehen frage ich mich, ob nicht Raleighs Patient Dudley Heinsbergen die Geschichte erzählt. Schließlich wird am Ende des Films noch erwähnt, dass Dudley definitiv kein Zeitgefühl hat („Can the boy tell time?“ – „Oh, my Lord, no.“).

Die wenigen Anhaltspunkte über Zeit und Zeitverlauf in „Die Royal Tenenbaums“ sind eng mit dem Tod verknüpft. Royal Tenenbaum gibt mit seiner Krebslüge einen Zeitrahmen von sechs Wochen Lebenszeit vor, in dem sich die Geschichte möglicherweise abspielt. Royals Grabsteininschrift (1932-2001) weist wiederum auf das Jahr 2001 hin.

Dieser wirre Zeitbegriff macht den Film meiner Meinung nach charmant, weil es an viel zu lange Ferien erinnert, in denen man jegliches Gefühl für die Zeit verliert. Ich habe meine oft mit der Familie bei Oma verbracht, jeder war ein wenig zurückgezogen in seine eigene kleine Welt mit eigenen kleinen Problemen, die man dort zusammen mit der Zeit vergessen konnte.

Die Motive:

  • Genies: In Wes Andersons Filmen sind es meist verkannte oder gescheiterte Genies, die sich zu unerwarteten Helden mausern (siehe Max Fischer aus „Rushmore“)
  • Scheitern, vergangener Ruhm: Immer wieder Thema bei Wes Anderson, auch später in „The Grand Budapest Hotel“, wo Concierge (Ralph Fiennes) Verlust erfährt. Die gescheiterten Figuren funktionieren wie die Tenenbaum-Kinder nicht mehr in der Gesellschaft, diese Dysfunktionalität hat aber oft etwas Warmes an sich („There’s a warmth to their dysfunction“ – Criterioncast). Im Film ist Scheitern eine Option, das Haus dient als Rückzugsort, an dem man das Scheitern ausleben kann. Dabei stellt sich auch die berechtigte Frage, warum wir Scheitern als etwas Negatives empfinden.
  • Kindheit und Zuhause: Das Tenenbaum-Haus spiegelt in gewisser Weise deren Kindheit wider: Richies Spielzeugautos, Margots Plattenspieler, Chas‘ Dalmatinermäuse – alles ist noch da. Mit den Spielsachen und den warmen Farben dient es als Schutzraum (sogar für Chas, trotz fehlender Sprinkleranlage) vor der gefährlichen Welt da draußen. Gleichzeitig kann das Haus metaphorisch für die Psyche von Richie, Chas und Margot stehen: Sie sind alle noch nicht erwachsen geworden.
  • Liebe als Tabuthema: Wenn in Geschichten Liebesverhältnisse vorkommen, die mit einem Tabu behaftet sind (z.B. gleichgeschlechtliche Liebe, leider immer noch nicht ganz akzeptiert), ist es interessant, darauf zu achten, was darin mit dieser Liebe passiert. In vielen Filmen siegen meist Beziehungen, die der Norm entsprechen, während gleichgeschlechtliche (siehe „Blau ist eine warme Farbe“) oder Beziehungen mit Altersunterschied („Arizona Dream“, „Die Reifeprüfung“) scheitern. Auch das Verhältnis Richie-Margot entspricht nicht ganz der Norm: Die beiden sind zwar nicht blutsverwandt, dennoch als Geschwister aufgewachsen. Margots Aussage „I think we just gonna have to be secretly in love with each other and leave it at that“ verspricht zwar nur wenig Hoffnung, dennoch stehen sich die beiden am Ende näher.
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Secretly in love: Richie und Margot Tenenbaum (Illustration: frauktose)

Margot und Richie Tenenbaum…

… sind neben Herman Blume (Rushmore) und Suzy Bishop (Moonrise Kingdom) vielleicht die besten Charaktere in Andersons Filmen. Sie teilen Sehnsucht und Melancholie und sind verletzlich. Auch räumlich sind sich beide vor allem gegen Ende des Filmes sehr nahe: Bei Royals Beerdigung stehen sie eng beieinander und nach der Hochzeit rauchen sie gemeinsam eine von Margots Zigaretten auf dem Dach. Weitere Parallelen: Richie und Margot werden auffällig oft verletzt, ob psychisch (Liebeskummer, Scheitern) oder physisch (Margots abgetrennter Finger, Richies verletzte Faust, die Schnittwunden an den Armen, später die Verletzung am Auge). Mit ihrem Wunsch, der realen Welt zu entfliehen, indem sie sich wie Margot im Badezimmer einsperren oder wie Richie auf dem Dach abhängen oder Ozeane bereisen, erinnern sie an Helden aus der Romantik. Vor allem Richie mit seinem langen Haar und dem dichten Bart, seinem Greifvogel und dem Zelt als Schlafplatz weist eine gewisse Nähe zur Natur auf, wenn auch nur sinnbildlich. Von seiner Haarpracht wird Richie sich kurz vor seinem Selbstmordversuch verabschieden – meiner Meinung nach die stärkste Szene in „Die Royal Tenenbaums“.

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=9pyBB7y8fDU)

Die Szene im blauen Dämmerlicht hebt sich visuell von den überwiegend warmen Farbtönen des Filmes ab (siehe Cinematicgestures). Richie stutzt Haare und Bart, nimmt Schweißbänder und Sonnenbrille ab und trennt sich endgültig von seinem Dasein als Tennis-Pro. Durch Tempo und Aneinanderreihung der Schnitte wirkt diese Handlung wie ein Ritual. Der Selbstmordversuch ist sehr dynamisch: In sechs Sekunden ziehen 18 Bilder vorbei, darunter Rückblenden zu Mordecai, Kindheitserinnerungen, Royal, Ethel und Margot. Bilder, die scheinbar mit je einem Schnitt mit der Rasierklinge aufblitzen. Die Einstellung, in der Margot aus dem Bus steigt, ist dabei dominant. Eric Can Uffelen bezeichnet im Cinematicgestures-Blog Margot als Paradoxon für Richie: Sie ist einerseits die Möglichkeit der wahren Liebe, andererseits der Fluch des verbotenen Verlangens.

Als Richie von Dudley entdeckt wird, ist die Kamera außerdem nicht „on a stable apparatus“, weswegen alles „smooth and carefully controlled“ wirkt (siehe Cinematicgestures). Die Selbstmordszene unterscheidet sich in der Machart sehr vom Rest des Filmes, weil sie quasi eine Art Schüssel ist. Erst Richies Selbstmordversuch führt die Familie zusammen.

Eine starke Wirkung und Emotionalität haben diese Einstellungen aber auch dank Richie-Darsteller Luke Wilson. Der Dreh dieser Szene soll nicht leicht gewesen sein. Wie Mutter Laura Wilson, die den Dreh als Fotografin begleitet hat, berichtet, war es nach Mitternacht, die Crew total übermüdet und Wes Anderson perfektionierte die Verteilung der Haarbüschel auf dem Waschbecken. Trotzdem schaffte es Wilson, einen Richie Tenenbaum zu spielen, dem man die innere Zerbrochenheit in jeder Sekunde abkauft. Viele feiern den Part als Richie Tenenbaum, der Criterioncast bezeichnet ihn als „glistening juwel“ in Luke Wilsons sonst eher trashigeren Filmografie („Natürlich Blond“, „Drei Engel für Charlie“). Luke Wilson, der kleine Bruder von Owen Wilson (hier auch Co-Drehbuchautor), Markenzeichen „drawling voice“, zeigt leider nur in wenigen Rollen (z.B. als Anthony in Andersons Erstling „Bottle Rocket“) seine bessere, melancholische Seite.

Dem Filmkritiker Matt Zoller Seitz, der auch das Buch „The Wes Anderson Collection“  heraus gebracht hat, sagte Anderson später, dass der Part Richie Tenenbaum für Luke Wilson geschrieben worden sei. Seitz beschrieb Richie als „ghost in his own life“ und weiter: „(…) I know it’s an ensemble movie, but if I had to say who the movie is about, I think I would say it’s about him.“ Dem stimmte auch Anderson zu. Richie ist der Filmheld. „Here is the ensemble around him, his family. But he is the center.“ Ähnlich wie Max Fischer in Rushmore ist es Richie Tenenbaum (und seine Verzweiflungstat), der die Familie zusammenbringt. Dem Buch „Filmsemiotik – Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate“ zufolge gibt es in Filmen den Archetypen des Helden (S. 383), dem ich Richie zuordnen würde. Jener Held ist auf der Suche nach Identität und Ganzheit und stellt aufgrund seiner Fehler und Schwächen (das Scheitern als Tennis-Pro und am Leben generell) eine Identifikationsfigur dar. Im Kern der Erzählung begegnet er für gewöhnlich dem Tod.

Meine filmanalytischen Ansätze:

In der Filmanalyse ist immer die Rede von semantischen Räumen und Grenzüberschreitung. Demnach befindet sich eine Figur in einem bestimmten Ausgangsraum, der in Richies Fall abstrakt ist und als Raum „Genie/Tennisprofi“ bezeichnet werden könnte. Der entsprechende Gegenraum wäre „gescheitertes Genie“. Betrachtet man nur Richies Geschichte, könnte die Tennisniederlage eine Grenzüberschreitung sein. Dabei wird ihm seine Liebe zu Margot erst bewusst und er tritt über die Grenze in den Gegenraum. Dort existiert ein Extrempunkt (Selbstmordversuch), in dem die Merkmale des Gegenraums (Liebeskummer, Scheitern, Depression) kondensiert auftreten. Laut „Filmsemiotik“ ist der Extrempunkt zentral inszeniert, was sich durch den blauen Farbton, der technischen Umsetzung und musikalischen Untermalung (siehe Rolle der Musik) zeigt.

„Die Royal Tenenbaums“ lässt sich – wenn auch kein typischer Hollywoodspielfilm – nach Syd Fields Strukturmodell in drei Akte aufteilen: Exposition (Vorstellen von Figuren und Story), Konflikt/Konfrontation (Haupthandlung) und Auflösung (Ende). Dazwischen befinden sich zwei Plotpoints/Wendepunkte, die Grenzüberschreitungen entsprechen. Die Plotpoints bezogen auf Richies Geschichte: Die Tennisniederlage und der Selbstmordversuch.

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Der Film „Die Royal Tenenbaums“ – hier im Speziellen Richies Geschichte – lässt sich nach Syd Fields Strukturmodell wie die meisten Hollywoodfilme in drei Akte einteilen. (Illustration: frauktose)

Die besondere Rolle von Musik:

In „Die Royal Tenenbaums“ kommt der Musik eine besondere Rolle zu. Das Repertoire aus Beatles, Rolling Stones, Nick Drake, Nico, Bob Dylan, The Clash, The Ramones und The Velvet Underground katapultiert den Zuschauer in die 60er und 70er zurück. Aus der Rolle tanzt dabei „Needle in the Hay“ von Elliott Smith aus dem Jahr 1995. Er taucht in der Selbstmordszene auf. Die Gitarre ist bereits am Ende der Szene zu hören, in der Richie und Raleigh von Margots Vergangenheit erfahren. Die Intensität des Songs steigt in den kritischen Momenten des Selbstmordversuches an. Irrtümlich ausgelassene Noten sollen einem Blogpost von Sensesofcinema zufolge die Spontanität in Richies Handlung widerspiegeln. Die Lyrics thematisieren Heroinabhängigkeit und seien weniger wortwörtlich zu verstehen, dennoch gebe es Parallelen zum Plot. So vergleicht der Blog Richies Liebe zu Margot mit einer Drogensucht. „It is Richie’s attempted suicide that offers the most profound evidence of his willingness to let go of his former self, and his need for absolution“, heißt es im Sensesofcinema-Blog. Demzufolge sei Musik eine Art der Freisprechung („music as absolution“). Gleichzeitig arbeite die Musik als Katalysator und Übersetzer der Gefühle Richie und Margot zeigen ihre Gefühle vor allem in Momenten, die mit „evocative pop songs“ unterlegt sind. Musik kann aber auch besänftigen. Ein Beispiel dafür wäre der Song „Fly“ von Nick Drake. Dieser setzt ein, als Richie aus dem Krankenhaus abhaut und mit dem Green Line Bus nach Hause fährt. Dort wird er dann von Margots Plattenspieler abgespielt (und wird somit zum Teil der Filmwelt, also Teil der Diegese/intradiegetisch). Das Lied verleiht den beiden Charakteren eine Stimme und die Lyrics vermitteln, dass alles irgendwie in Ordnung kommt.

So come, come ride in my street-car by the bay

for now I must know how fine you are in your way

And the sea sure as I

But she won’t need to cry

For it’s really too hard for to fly.

(Nick Drake – Fly)

Stil, Inspiration, Einflüsse und Referenzen:

Wiederkehrende Symmetrien, spezielle Farbpaletten, bizarres Setting und verschrobene Charaktere sind Wes Andersons Spezialität. Der Texaner mag keine digitalen Filmlandschaften, wie er in einem ZEIT-Interview erklärt und greift lieber auf Miniaturen zurück. Er ist Fan von Fellinis Filmen, Polanski („Rosemarys Baby“), Mike Nichols („Die Reifeprüfung“). Anderson, der als Teenie von einem Wimbledon-Sieg geträumt hat, obwohl er kein sonderlich guter Tennisspieler war, kreeirt überwiegend Geschichten über Männer, die vor haben, Großes zu erreichen. Leider sind auch seine Hauptdarsteller meistens männlich (insbesondere in „Die Tiefseetaucher“). Anjelica Huston soll einmal zu ihm gesagt haben, er drehe Jungsfilme.

(Quelle: https://vimeo.com/89302848)

Literatur- und Filmklassiker haben einen nennenswerten Einfluss auf „Die Royal Tenenbaums“. In einem Interview nannte Anderson „The Magnificent Ambersons“, die Glass-Geschichten von J.D. Salinger, „You Can’t Talk It with You“, „The Royal Family“ (Kaufman und Ferber) und „Two English Girls“ von Francois Truffaut (Idee mit den Mosaiken aus Büchern) als Inspirationsquellen.

Was Die Royal Tenenbaums“ zu einem der besten Wes-Anderson-Filmen macht:

Auffällig ist, dass „Die Royal Tenenbaums“ eine Art Wendepunkt in der Filmografie des Regisseurs und Drehbuchautoren darstellt. Während seine ersten beiden Filme „Bottle Rocket“ und „Rushmore“ noch weniger akribisch durchstrukturiert wirken, sind aktuellere Filme stärker von seinem Perfektionismus bestimmt. Im Netz ist man sich einig: Anderson wird immer detailbesessener, seine Werke immer skuriller. Seit den Tenenbaums schafft der Regisseur eine immer seltsamere Welt, „that isn’t really recognisable as our own.“ (The Guardian). Der Criterioncast bezeichnet „Die Royal Tenenbaums“ als „peak of Anderson’s career“: Die Details sind in perfekter Balance, anders als in „Die Tiefseetaucher“. Kyle Buchanan von vulture.com findet, dass die Figuren hier weniger stark choreografiert seien. Er hebt die Szene im Zelt hervor, in der Richie und Margot sich gegenseitig ihre Liebe gestehen. „The scene is magical, with Paltrow moved to real tears in a setting that’s resolutely unreal in all of its candy-colored, immaculate fastidiousness“, so Buchanan. In späteren Anderson-Filmen vermisst er dieses ungezwungene Spiel. Generell tragen die Tenenbaums ihre Persönlichkeiten noch mehr nach draußen.

Fazit:

Mein Lieblings-Wes-Anderson-Film

 

Die Royal Tenenbaums (The Royal Tenenbaums, USA 2001). Ab 12 Jahre. Regie: Wes Anderson. Drehbuch: Wes Anderson und Owen Wilson. Mit Gene Hackman, Anjelica Huston, Gwyneth Paltrow, Ben Stiller, Luke Wilson, Owen Wilson, Danny Glover, Bill Murray, Seymour Cassel

Weitere Links:

Filmkritik Criterion, Hintergründe, Screenwriting Analysis, Welcher Tenenbaum bist du?

 

 

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